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Kommentar zur 6-Quartale-Voraus-Projektion
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Prognose vom 28. Febr. 2026 Gesamteindruck: Das "Tal der Tränen", durch das die deutsche Wirtschaft geht, hat 2025 seinen Tiefpunkt erreicht. Aber die Wirtschaft erholt sich unter dem Druck zahlreicher Faktoren nur langsam und wie es scheint, auch nur für kurze Zeit. Der nominelle Zuwachs des durchschnittlichen monatlichen Pro-Kopf-Einkommens von voraussichtlich 4,4 Prozent wird durch die Inflationsrate von 4,0 Prozent fast "aufgefressen". Der Konsum der privaten Haushalte fällt real um 0,4 Prozent. Ein großer Teil des Konsums wird durch Importe befriedigt. Immerhin, die Exporte sinken nicht noch mehr und nehmen 2026 sogar ein wenig zu. Die im November 2023 geäußerte Hoffnung, dass die Inflation 2024 unter die Zwei-Prozent-Marke fallen könnte, hat sich auch 2025 nicht erfüllt. Von der epidemiologischen Krise, der anfangs nur zögerlich bekämpften Inflation, den Sanktionen gegen Russland und der Unterstützung der Ukraine (und der Ukrainer und anderer Zuwanderer) sind klarerweise die Staatsfinanzen betroffen. Die Defizitquote des Staates ist 2025 auf 2,7 Prozent des BIP gestiegen. Die sog. Schuldenbremse wird 2026 von der neuen Regierung wahrscheinlich nicht mehr eingehalten werden können. Die Arbeitslosenzahlen verbleiben 2026 auf einem Niveau knapp unter 3 Mio. Da die Erwerbstätigenzahlen um ca. 300.000 pro Jahr ansteigen, müsste sich diese Entwicklung in einer leichten Abnahme der Arbeitslosenquoten niederschlagen. Die zu erwartende Unterbeschäftigung kann man dem Verlauf der Phillipskurve entnehmen. Die Rahmenbedingungen: Das Modell unterstellt im Prognosezeitraum einen leicht ansteigenden Dollarwert des Euro höher als 1,1 US-$ und geringer als 1,2 US-$. Der langfristige Zinssatz liegt bei 2,5 Prozent mit fallender Tendenz in Richtung 1,0 Prozent, und der Kurzfristzinssatz scheint sich auf 2 Prozent einzupendeln. Die Geldmenge M1 wächst nach einer kurzen Periode der Schrumpfung etwa genauso schnell wie vor der Pandemie, allerdings von einem abgesenkten Niveau ausgehend. Der Ölpreis fällt unter 70 US-$ mit weiter sinkender Tendenz. Die Unsicherheit von Prognosen bei einer immer noch präsenten, aber kollektiv nicht mehr wahrgenommenen Pandemie, einer immer noch nicht stabilen Inflation von etwas mehr als 2 Prozent und unter den Bedingungen eines heißen Krieges in Europa und im Nahen Osten ist kaum abzuschätzen. Hinzu kommen die Unsicherheiten, die mit dem Handelsstreit zwischen den USA und Europa verbunden sind. Unsicherheit durch die Datenlage und durch Datenrevision: Die Daten wurden vom StBA bis Anfang des Jahres zurückgehend revidiert, aber mit nur geringfügigen Änderungen. Das erforderte keine Eingriffe in das zugrunde liegende Gleichungssystem des EMGQ. Die Bevölkerungszahl stellt nach wie vor einen weiteren Unsicherheitsfaktor dar, wird aber voraussichtlich durch die bislang kaum gebremste Zuwanderung weiter ansteigen. Die Umstellung des Modells auf einen längeren Stützbereich mit dem Ziel, das bislang zu beobachtende extreme prognostische Verhalten zu reduzieren - ist rückgängig gemacht worden, da das damit verbundene Ziel nicht erreicht wurde. Kritik der November-Prognose: Der größte Fehler trat wieder bei der Bruttoinvestition auf, die mit 6,1 Prozent unterschätzt worden ist. Nach wie vor basiert die Prognose u.a. auf der langfristigen Welthandels-Prognose des IMF. Eine exakte Angabe der Prognosefehler, die für das gerade abgelaufene Quartal aufgrund der inzwischen vorliegenden Daten ermittelt werden können, findet man wie gewöhnlich unter Vierteljährige Prognosefehler. Ein umfaßenders Bild der auf Jahreszahlen bezogenen Prognosegenauigkeit des EMGE liefert die Tabelle bisherige Prognosen. Anläße für Skepsis gegenüber der Prognose? Nach einer aktiven Zeit von ca. 18 Jahren (die erste Prognose wurde am 2.3.2007 veröffentlicht) hat das EMGE bei den Hauptaggregaten eine hohe Genauigkeit der Ex-post-Prognosen, die in "ruhigen Zeiten" zum Teil deutlich und dauerhaft unter einem Prozentpunkt lagen, und eine gute Plausibilität bei den meisten Simulationsergebnissen und Echt-Prognosen erreicht. Angesichts der sicherlich notwendigen, aber für den Prognostiker problematischen, zum Teil berächtlichen nachträglichen Änderungen in den Daten und angesichts der zugrunde liegenden Methodik eines regressionsgestützten Modells kann grundsätzlich nicht angenommen werden, daß mit der Stabilisierung der Strukturen eines empirisch ständig justierten Modells irgendeine Art von Sicherheit bei den Prognosen erreicht werden könnte. Aus diesem Grund wird auch keinerlei Garantie für das Zutreffen der Prognosen gegeben. Hinzu kommt, daß die Wirtschaft kein autonomes System ist, sondern durch Ereignisse und Entscheidungen aller Art von seiner "natürlichen" Entwicklung abgelenkt werden kann. Kommentar vom 28. Febr. 2026
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