Kommentar zur 6-Quartale-Voraus-Projektion

Deutschland-Prognose vom 26. Aug. 2020

Der IMF schätzt die Wirkung der Pandemie bei seiner Projektion vom Juni 2020 wie folgt ein: Der Welthandel sinkt 2020 um 11,9 Prozent und erholt sich 2021 um 8,0 Prozent. Für Deutschland wird ein BIP-Wachstum von -7,8 Prozent (2020) und +5,4 Prozent (2021) erwartet.

Der Gesamteindruck der aktuellen Prognose für die Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft besteht darin, dass sie zwar wie immer der Entwicklung des Welthandels folgt; aber dieser ist nur eine Determinante. Ein anderes, die Krise reflektierendes Moment besteht in dem starken Anstieg der Kurzarbeit. In den Zahlen wird das starke Engagement des deutschen Staates deutlich, die realen Einkommensverluste auszugleichen.

In laufenden Jahr 2020 ist mit einem "Wachstum" des realen BIP von -8,2 Prozent bei einer BIP-Inflationsrate von +1,5 Prozent zu rechnen. Im kommenden Jahr wächst die Wirtschaft mit +2,2 Prozent und einer BIP-Inflation von +1,0 Prozent. Als Stabilisatoren erweisen sich die Bauwirtschaft und der Staatskonsum. Am stärksten bricht der Aussenbeitrag um fast 30 Prozent ein, aber er erholt sich 2021 weitgehend (+44 Prozent).

Stark betroffen sind auch die Staatsfinanzen: Über 6 Prozent der Einnahmen brechen weg, aber die Ausgaben steigen in gleicher Höhe. Der Finanzierungssaldo des Staates erreicht im Prognosezeitraum negative Spitzenwerte von -4,5 (2020) und -6,1 (2021) Prozent.

Die Rahmenbedingungen:

Das Modell unterstellt einen fallenden Dollarwert des Euro deutlich unter 1,10 US-$. Die kurz- und langfristigen Zinssätze sinken momentan noch, haben aber die Tendenz zum Steigen, wenn auch nur bis 0 Prozent im Fall des 3-Monate-Zinssatzes. Die Geldmenge M1 wächst etwa genauso schell wie bisher. Aktuell wird unterstellt, dass sich der Ölpreis etwas erholt und sich um die US-$ 38 bewegt. Das entspricht in etwa der offiziellen Prognose des IMF. Es wird unterstellt, dass der DAX keinen weiteren schockartigen Einbruch erleidet.

Die Unsicherheit einer Prognose inmitten einer Epidemie ist kaum abzuschätzen. Eine Reihe von Gleichungen mussten angepasst werden, um den abrupten Rückgang der Zahlen berücksichtigen zu können. Das betrifft vor allem den Konsum der privaten Haushalte und den Arbeitsmarkt. Lange beobachtet wurde die Kurzarbeit und nun voll in das Modell integriert. Dabei ergab sich, dass die Kurzarbeit im Prognosezeitraum in etwa auf dem gegenwärtig hohen Niveau verbleibt.

Unsicherheit durch die Datenlage und durch Datenrevision: Die Daten wurden von StBA rückwirkend bis 2015 (einschließlich) revidiert. Diese Veränderungen machten im Modell keine Probleme. Bedingt durch die Flüchtlingskrise sind die demographischen Daten schwer bis gar nicht zu prognostizieren.

Kritik der Mai-Prognose Eine exakte Angabe der Prognosefehler, die für das gerade abgelaufene Quartal aufgrund der inzwischen vorliegenden Daten ermittelt werden können, findet man wie gewöhnlich unter Vierteljährige Prognosefehler. Die Abweichungen sind Corona bedingt enorm. Konsequenzen sind bei der Anpassung einzelner Gleichungen an die Daten gezogen worden.

Ein umfassenders Bild der auf Jahreszahlen bezogenen Prognosegenauigkeit des EMGE liefert die Tabelle bisherige Prognosen.

Anlässe für Skepsis gegenüber der Prognose? Nach einer aktiven Zeit von ca. 13 Jahren (die erste Version lief am 2.3.2007) hat das EMGE bei den Hauptaggregaten eine hohe Genauigkeit der Ex-post-Prognosen, die zum Teil deutlich und dauerhaft unter einem Prozentpunkt liegen, und eine gute Plausibilität bei den meisten Simulationsergebnissen und Echt-Prognosen erreicht. Angesichts der sicherlich notwendigen, aber für den Prognostiker problematischen, zum Teil berächtlichen nachträglichen Änderungen in den Daten und angesichts der zugrunde liegenden Methodik eines regressionsgestützten Modells kann grundsätzlich nicht angenommen werden, dass mit der Stabilisierung der Strukturen eines empirisch ständig justierten Modells irgendeine Art von Sicherheit bei den Prognosen erreicht worden wäre. Aus diesem Grund wird auch keinerlei Garantie gegeben. Hinzu kommt, dass die Wirtschaft kein autonomes System ist, sondern durch Ereignisse aller Art von seiner "natürlichen" Entwicklung abgelenkt werden kann. Das hat die Corona-Pandemie nochmals ganz deutlich gemacht.

Letzte redaktionelle Bearbeitung dieses Kommentars: 26. August 2020


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