Kommentar zur 6-Quartale-Voraus-Projektion

Prognose vom 25. August 2026

Gesamteindruck: Die aktuellen Daten bestätigen die Aussage vom Februar, dass das "Tal der Tränen", durch das die deutsche Wirtschaft gehen musste, 2025 durchschritten worden ist. Aber es bestätigt sich auch, dass der nächste Abschwung schon wieder in Sichtweite ist, wenn auch erst 2027. Der nominelle Zuwachs des durchschnittlichen monatlichen Pro-Kopf-Einkommens von voraussichtlich 3,3 Prozent wird durch ein zeitweiliges Absinken der Inflationsrate nicht mehr völlig "aufgefressen". Der Konsum der privaten Haushalte fällt trotzdem real um 1 Prozent. Ein großer Teil des Konsums wird durch Importe befriedigt. Immerhin, die Exporte steigen in diesem Jahr wieder an.

Von der epidemiologischen Krise, der anfangs nur zögerlich bekämpften Inflation, den Sanktionen gegen Russland und der Unterstützung der Ukraine (und der Ukrainer und anderer Zuwanderer) sind klarerweise die Staatsfinanzen betroffen. Die Defizitquote des Staates ist 2025 auf die erlaubten 3 Prozent des BIP gestiegen und wird weiter steigen. Die hier dargestellte Entwicklung der Schulden berücksichtigt die Sondertöpfe nicht, mit denen Schulden in Vermögen umgedeutet werden.

Die Arbeitslosenzahlen verbleiben 2026/27 auf einem Niveau knapp unter 3 Mio. Da die Erwerbstätigenzahlen um ca. 300.000 pro Jahr ansteigen, müsste sich diese Entwicklung in einer leichten Abnahme der Arbeitslosenquoten niederschlagen.

Die Rahmenbedingungen: Das Modell unterstellt im Prognosezeitraum einen Dollarwert des Euro von 1,15 US-$. Der langfristige Zinssatz steigt auf 3 Prozent und der Kurzfristzinssatz folgt. Die Geldmenge M1 wächst nach einer kurzen Periode der Schrumpfung nicht ganz so schnell wie vor der Pandemie, allerdings von einem abgesenkten Niveau ausgehend. Der Ölpreis ist auf ca. 90 US-$ gestiegen und scheint auf diesem Niveau zu verharren - wenn der Konflikt im Nahen Osten sich nicht ausweitet.

Die Unsicherheit von Prognosen bei einer immer noch präsenten, aber kollektiv nicht mehr wahrgenommenen Pandemie, einer immer noch nicht stabilen Inflation von etwas mehr als 2 Prozent und unter den Bedingungen eines heißen Krieges in Europa und im Nahen Osten ist kaum abzuschätzen. Hinzu kommen die Unsicherheiten, die mit dem Handelsstreit zwischen den USA und Europa verbunden sind.

Unsicherheit durch die Datenlage und durch Datenrevision: Die Daten wurden vom StBA teiweise bis 1991 zurückgehend revidiert. Erstaunlicher Weise erforderte das keine Eingriffe in das zugrunde liegende Gleichungssystem des EMGQ. Die Bevölkerungszahl stellt nach wie vor einen Unsicherheitsfaktor dar, wird aber voraussichtlich durch die bislang kaum gebremste Zuwanderung über die 83,5 Mio. hinaus ansteigen. Die aktuelle Inflationsrate wird vom Modell etwas unterschützt - die Preisgleichungen sind wie immer am wenigsten genau.

Kritik der Mai-Prognose: Im Mai wurde keine Prognose veröffentlicht.

Nach wie vor basiert die Prognose u.a. auf der langfristigen Welthandels-Prognose des IMF.

Eine exakte Angabe der Prognosefehler, die für das gerade abgelaufene Quartal aufgrund der inzwischen vorliegenden Daten ermittelt werden können, findet man gewöhnlich unter Vierteljährige Prognosefehler, aber diesmal nicht.

Ein umfaßenders Bild der auf Jahreszahlen bezogenen Prognosegenauigkeit des EMGE liefert die Tabelle bisherige Prognosen.

Anläße für Skepsis gegenüber der Prognose? Nach einer aktiven Zeit von ca. 19 Jahren (die erste Prognose wurde am 2.3.2007 veröffentlicht) hat das EMGE bei den Hauptaggregaten eine hohe Genauigkeit der Ex-post-Prognosen, die in "ruhigen Zeiten" zum Teil deutlich und dauerhaft unter einem Prozentpunkt lagen, und eine gute Plausibilität bei den meisten Simulationsergebnissen und Echt-Prognosen erreicht. Angesichts der sicherlich notwendigen, aber für den Prognostiker problematischen, zum Teil berächtlichen nachträglichen Änderungen in den Daten und angesichts der zugrunde liegenden Methodik eines regressionsgestützten Modells kann grundsätzlich nicht angenommen werden, daß mit der Stabilisierung der Strukturen eines empirisch ständig justierten Modells irgendeine Art von Sicherheit bei den Prognosen erreicht werden könnte. Aus diesem Grund wird auch keinerlei Garantie für das Zutreffen der Prognosen gegeben. Hinzu kommt, daß die Wirtschaft kein autonomes System ist, sondern durch Ereignisse und Entscheidungen aller Art von seiner "natürlichen" Entwicklung abgelenkt werden kann.

Kommentar vom 25. Aug. 2026


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