Kommentar zur 6-Quartale-Voraus-Projektion

Deutschland-Prognose vom 26. Febr. 2021

Der IMF schätzt die Wirkung der Pandemie auf den Welthandel in seiner Projektion vom Januar 2021 wie folgt ein: Der Welthandel sinkt 2020 um 9,6 Prozent und erholt sich 2021 um 8,1 und 2022 um 6,3 Prozent. Für Deutschland wird ein BIP-Wachstum von 3,5 Prozent (2021) und 3,1 Prozent (2022) erwartet.

Der Gesamteindruck der aktuellen Prognose für die Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft besteht darin, dass sie zwar wie immer der Entwicklung des Welthandels folgt; aber dieser ist nur eine Determinante. Ein anderes, die Krise reflektierendes Moment besteht in dem starken Anstieg der Kurzarbeit. In den Zahlen wird das starke Engagement des deutschen Staates insofern deutlich, als der Einbruch nicht stärker als 2008/9 ausgefallen ist.

Nach der aktuellen Prognose ist im laufenden Jahr 2021 mit einem "Wachstum" des realen BIP von +4,8 Prozent bei einer BIP-Inflationsrate von +1,1 Prozent zu rechnen. Im kommenden Jahr wächst die Wirtschaft um +2,0 Prozent bei einer BIP-Inflation von +1,2 Prozent. Der Abschwung wird in diesem Jahr auch die Bauwirtschaft und den Staatskonsum betreffen, während fast alle anderen Hauptaggregate zulegen. Der 2020 erfolgende Einbruch des Aussenbeitrag um 15,8 Prozent setzt sich 2021 fast in der gleichen Größenordnung (-13,2 Prozent) fort.

Von der Krise stark betroffen sind auch die Staatsfinanzen, während die Ausgaben 2021 und 2022 weiter ansteigen. Der Finanzierungssaldo des Staates erreicht im Prognosezeitraum negative Spitzenwerte von -4,8 (2021) und -3,8 (2022) Prozent.

Die Rahmenbedingungen:

Das Modell unterstellt im Prognosezeitraum einen fallenden Dollarwert des Euro zwischen 1,20 und 1,10 US-$. Der langfristige Zinssatz sinkt bis auf -0,9 Prozent, während der Kurzfristzinssatz die Tendenz zum Steigen hat, aber im negativen Bereich verbleibt. Die Geldmenge M1 wächst etwa genauso schell wie bisher. Aktuell wird unterstellt, dass der Ölpreis leicht fällt und sich der Marke 55 US-$ annähert. Nach der Prognose des IMF sinkt er bis auf 49 US-$. Es wird unterstellt, dass der DAX vorerst keinen weiteren schockartigen Einbruch erleidet.

Die Unsicherheit einer Prognose inmitten einer Epidemie ist kaum abzuschätzen. Eine Reihe von Gleichungen mussten angepasst werden, um den abrupten Rückgang der Zahlen berücksichtigen zu können. Das betraf diesmal vor allem die Staatsfinanzen und wiederum den Arbeitsmarkt. Die vorliegenden Informationen wurden umfassender genutzt. Das betrifft das Arbeitsangebot und die Unterbeschäftigung. Lange beobachtet wurde bislang die Kurzarbeit und nun voll in das Modell integriert. Dabei ergab sich, dass die Kurzarbeit im Prognosezeitraum sehr langsam von einem sehr hohen Niveau absinkt.

Unsicherheit durch die Datenlage und durch Datenrevision: Die Daten wurden von StBA rückwirkend für 2020 revidiert. Diese Veränderungen machten im Modell keine Probleme. Bedingt durch die Flüchtlingskrise sind die demographischen Daten schwer bis gar nicht zu prognostizieren.

Kritik der November-Prognose Eine exakte Angabe der Prognosefehler, die für das gerade abgelaufene Quartal aufgrund der inzwischen vorliegenden Daten ermittelt werden können, findet man wie gewöhnlich unter Vierteljährige Prognosefehler. Die Abweichungen sind Corona bedingt enorm, außerdem hat sich ergeben, dass die Prognose zu pessimistisch war. Konsequenzen sind durch exaktere Anpassung einzelner Gleichungen an die Daten gezogen worden.

Ein umfassenders Bild der auf Jahreszahlen bezogenen Prognosegenauigkeit des EMGE liefert die Tabelle bisherige Prognosen.

Anlässe für Skepsis gegenüber der Prognose? Nach einer aktiven Zeit von ca. 13 Jahren (die erste Version lief am 2.3.2007) hat das EMGE bei den Hauptaggregaten eine hohe Genauigkeit der Ex-post-Prognosen, die in ruhigeren Zeiten zum Teil deutlich und dauerhaft unter einem Prozentpunkt lagen, und eine gute Plausibilität bei den meisten Simulationsergebnissen und Echt-Prognosen erreicht. Angesichts der sicherlich notwendigen, aber für den Prognostiker problematischen, zum Teil berächtlichen nachträglichen Änderungen in den Daten und angesichts der zugrunde liegenden Methodik eines regressionsgestützten Modells kann grundsätzlich nicht angenommen werden, dass mit der Stabilisierung der Strukturen eines empirisch ständig justierten Modells irgendeine Art von Sicherheit bei den Prognosen erreicht werden könnte. Aus diesem Grund wird auch keinerlei Garantie gegeben. Hinzu kommt, dass die Wirtschaft kein autonomes System ist, sondern durch Ereignisse aller Art von seiner "natürlichen" Entwicklung abgelenkt werden kann. Das hat die Corona-Pandemie nochmals ganz deutlich gemacht.

Letzte redaktionelle Bearbeitung dieses Kommentars: 26. Februar 2021


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