Kommentar zur 6-Quartale-Voraus-Projektion

Deutschland-Prognose vom 26. August 2021

Der IMF hat seine Projektion für die Entwicklung des Welthandels nach oben korrigiert. 2021 wird eine Steigerung von 9,7 Prozent und 2022 von 7,0 Prozent erwartet. Für Deutschland wird ein BIP-Wachstum von 3,6 Prozent (2021) und 4,1 Prozent (2022) vorhergesagt.

Der Gesamteindruck der aktuellen Prognose für die Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft besteht darin, dass die Talsohle erreicht ist und es nun wieder aufwärts geht.

Nach der aktuellen Prognose ist im laufenden Jahr 2021 mit einem "Wachstum" des realen BIP von + 3,8 Prozent bei einer BIP-Inflationsrate von +1,3 Prozent zu rechnen. Im kommenden Jahr wächst die Wirtschaft um + 4,8 Prozent bei einer BIP-Inflation von +2,0 Prozent. Der Abschwung wird in diesem Jahr noch einmal den Außenbeitrag betreffen, während alle anderen Hauptaggregate zulegen.

Von der Krise stark betroffen sind klarerweise die Staatsfinanzen, wobei das Niveau der Ausgaben 2021 und 2022 weiter ansteigen wird. Der Finanzierungssaldo des Staates erreicht im Prognosezeitraum negative Spitzenwerte von -4,3 (2021) und -2,6 (2022) Prozent.

Die Rahmenbedingungen: Das Modell unterstellt im Prognosezeitraum einen fallenden Dollarwert des Euro von ca. 1,20 auf ca. 1,10 US-$. Der langfristige Zinssatz sinkt bis auf -1,0 Prozent, während der Kurzfristzinssatz die Tendenz zum Steigen hat, aber im negativen Bereich verbleibt (zwischen -0,3 und -0,4 Prozent). Die Geldmenge M1 wächst etwa genauso schell wie bisher. Aktuell wird unterstellt, dass der Ölpreis weiter leicht steigt und sich der Marke 80 US-$ annähert. Nach der Prognose des IMF bewegt er sich um die 64 US-$. Es wird unterstellt, dass der DAX vorerst keinen weiteren schockartigen Einbruch erleidet.

Die Unsicherheit einer Prognose inmitten einer Pandemie ist kaum abzuschätzen. Eine Reihe von Gleichungen mussten angepasst werden, um den abrupten Rückgang der Zahlen berücksichtigen zu können. Das betraf diesmal vor allem die Staatsfinanzen und die Arbeitslosenzahlen. Die vorliegenden Informationen wurden umfassender genutzt. Das betrifft das Arbeitsangebot und die Unterbeschäftigung. Lange beobachtet wurde bislang die Kurzarbeit und nun voll in das Modell integriert. Dabei ergab sich, dass die Kurzarbeit im Prognosezeitraum sehr langsam - von einem sehr hohen Niveau startend - absinkt.

Unsicherheit durch die Datenlage und durch Datenrevision: Die Daten wurden von StBA rückwirkend bis 2017 einschließlich revidiert. Diese Veränderungen machten im Modell keine Probleme. Bedingt durch die Flüchtlingskrise sind die demographischen Daten schwer bis gar nicht zu prognostizieren.

Kritik der Mai-Prognose: Eine exakte Angabe der Prognosefehler, die für das gerade abgelaufene Quartal aufgrund der inzwischen vorliegenden Daten ermittelt werden können, findet man wie gewöhnlich unter Vierteljährige Prognosefehler. Die Abweichungen sind Corona bedingt beim Konsum der privaten Haushalte enorm; ansonsten hat sich ergeben, dass die Prognose für 2022 zu pessimistisch war. Das betraf vor allem die Zahlen für die Arbeitslosigkeit, die durch die Kurzarbeit stark reduziert worden sind.

Ein umfassenders Bild der auf Jahreszahlen bezogenen Prognosegenauigkeit des EMGE liefert die Tabelle bisherige Prognosen.

Anlässe für Skepsis gegenüber der Prognose? Nach einer aktiven Zeit von ca. 14 Jahren (die erste Version lief am 2.3.2007) hat das EMGE bei den Hauptaggregaten eine hohe Genauigkeit der Ex-post-Prognosen, die in ruhigeren Zeiten zum Teil deutlich und dauerhaft unter einem Prozentpunkt lagen, und eine gute Plausibilität bei den meisten Simulationsergebnissen und Echt-Prognosen erreicht. Angesichts der sicherlich notwendigen, aber für den Prognostiker problematischen, zum Teil berächtlichen nachträglichen Änderungen in den Daten und angesichts der zugrunde liegenden Methodik eines regressionsgestützten Modells kann grundsätzlich nicht angenommen werden, dass mit der Stabilisierung der Strukturen eines empirisch ständig justierten Modells irgendeine Art von Sicherheit bei den Prognosen erreicht werden könnte. Aus diesem Grund wird auch keinerlei Garantie gegeben. Hinzu kommt, dass die Wirtschaft kein autonomes System ist, sondern durch Ereignisse aller Art von seiner "natürlichen" Entwicklung abgelenkt werden kann. Das hat die Corona-Pandemie nochmals ganz deutlich gemacht.

Letzte redaktionelle Bearbeitung dieses Kommentars: 26. August 2021


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